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Um den Ablauf bei Ihrer Ankunft zu vereinfachen, teilen Sie uns bitte ihren ersten und und zweiten Wunsch zur Teilnahme an den Workshops mit. Wir bemühen uns, Ihre Wünsche zu berücksichtigen. Sollte das nicht möglich sein, bitten wir dies zu entschuldigen.
Vier Themenstellungen sollen in internationalen Teams bearbeitet werden:
1. Gartenlaube XXL
Viele Dessauer arbeiten in der Schweiz, in Österreich oder Süddeutschland, haben aber noch starke familiäre Bindungen und Freundeskreise in der Stadt. Die Kleingärten sind exemplarischer Ort von Freizeit und Erholung. Während die Wohnungen meist zu klein sind, um die temporären Heimkehrer zu beherbergen, mit ihnen zu feiern und ihnen zeitweilig ein Zuhause zu bieten, haben die Lauben Platz zur temporären Erweiterung.
Gegenüber dem aktuellen Wohnungsleerstand von 16 % im Stadtgebiet von Dessau-Roßlau zeugt die Zahl von gerade 3% unbewirtschafteten Parzellen in Dessaus Kleingartengebieten von geradezu paradiesischen Zuständen. Doch auch die Kleingartenvereine kämpfen zusehends mit einer Überalterung ihrer Mitglieder, sinkenden Verpachtungszahlen und brachfallenden Grundstücken.
Ein Schrebergarten kann als „Veröffentlichung“ des eigentlich verborgenen, privaten Wohnraums gelesen werden. Im Gefüge der weitgehend offen einsehbaren Gartengrundstücke dienen räumlich und sozial wirksame Satzungen und Regeln zur Kompensation des entfallenden Schutzes der eigenen vier Wände. Brachfallende Parzellen bedeuten im funktionierenden System der nachbarschaftlichen Regl(ier)ungen bedenkliche Lücken. Die unmittelbar einsetzende Verwilderung (Verwahrlosung) der Gärten, das Eindringen einer regellosen Natur, ist sichtbares und unerwünschtes Zeichen hierfür.
Wie könnten die ungenutzten Parzellen für die Aufenthaltsbedürfnisse temporär in Dessau anwesender Personen zugänglich gemacht werden? Was passiert, wenn das 1. Zuhause der Nutzer nicht aus dem lokalen Kontext stammt, nicht direkt um die Ecke liegt, sondern viele hunderte Kilometer entfernt? Welche Abweichungen trägt dieses Anderswo in die starr geregelte Welt des Hier der Kleingärtenstruktur hinein und auf welche weise könnte diese neue Art der Belegung langfristig auf die Gesamtstruktur der Kleingartenvereine wirken?
Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt einer Betrachtung der Funktion der Gärten aus der eigenen Anschauung: Anhand mehrerer derzeit brach liegender Schrebergärten sollen im Eigenversuch der zehntägigen Anwesenheit in einem Dessauer Kleingartengebiet Möglichkeiten der Nutzbarmachung für "auswärtige Dessauer" direkt erprobt werden.
Teamleitung: Philipp Reinfeld Liste der Teilnehmer
2. Boarding house
Stadtbewohner und Wohnungsunternehmen werden zu Gastgebern, die Pendlern, Studenten oder Touristen zeitweiligen Aufenthalt bieten. Vor dem Hintergrund des Wohnungsleerstands sollen neue Modelle flexibler Bewirtschaftung und Nutzung von Wohnungen gemeinsam mit städtischen Wohnungsbaugesellschaften erprobt werden.
Teamleitung: feld72 Liste der Teilnehmer
3. Unterwegs zu Hause
In Dessau stellte das Meisterhaus von Walter Gropius ein Modell vor, wie das moderne Wohnen im 20. Jahrhundert aussehen sollte, das vor allem durch Mobilität geprägt war. Vielfach medial verbreitet, hat das Bauhaus international die Vorstellungen von einer modernen Wohnkultur geprägt. Das Leben auf dem Sprung galt als modern, die Dingwelt hat das transportiert. Was braucht es, um sich irgendwo zu Hause zu fühlen und sei es nur zeitweilig? In einer Wohnberatung – ganz in der Tradition der Moderne –- werden Erfahrungen und Praktiken des „Sicheinrichtens“ unterwegs zusammengetragen und in einer Musterwohnung präsentiert. Teamleitung: MUF Liste der Teilnehmer
4. Global home Platte
Dessau kann auf eine lange Kontinuität des industriellen Bauens in der Geschichte des Wohnungsbaus zurückblicken. Törten ist eines der ersten Beispiele der industriellen Vorfertigung von Wohnungsbauten und wie kaum eine andere Stadt hat die Platte die Stadtentwicklung Dessaus nach dem Krieg geprägt. Zugleich finden sich die Wohnungsbautypen fast im gesamten Ostblock: Standardisierte Grundrisse, die gleiche Wohnbedingungen für alle versprachen, ob in Budapest, Warschau oder Dessau. Seit dem Fall der Berliner Mauer hat sich die Reputation des Wohnens in der Platte dramatisch verändert: von einem modernen Privileg zu einem Symbol für Armut und Exklusion. Ausgehend von einer Platte am Leipziger Tor in Dessau untersucht der Workshop diese Transformation und wird mit BewohnerInnen Ideen für die Zukunft der Nachbarschaft entwickeln.
Video des Workshops
Teamleitung: Adam Page & Eva Hertzsch Liste der Teilnehmer
Die Problemstellungen, Diskurse und Ideen des „wachsenden Hauses“ können auf diese Weise im Kontext des Stadtumbaus der Bauhausstadt (IBA 2010) aktualisiert werden. Aus der Verbindung zwischen der Suche nach neuen Wohnformen als Katalysatoren eines veränderten Siedlungstyps, wie sie die Ausstellung 1932 zum Gegenstand hatte, lassen sich Kontinuitätslinien bis in die Gegenwart erkennen – schließlich zwingt der Wechsel zwischen Wachsen und Schrumpfen, Konjunktur und Krise, Bleiben und Gehen auch heute wieder zum Nachdenken über neue Siedlungstypen. Die Sommerschule versteht sich insofern auch als Beitrag zu Dessaus IBA Stadtumbauprojekt, das den Versuch unternimmt, auf die veränderten/erweiterten Muster des Habitat mit einer perforierten Stadtlandschaft zu reagieren.
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